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Dicke Kartoffeln im Siegerland

In Ferndorf:  „degge Duffeln“ em Sejerland / Reibekuchen und Geschichten

Von Jürgen Weller

August 2015. Kartoffeln waren und sind teils noch fester Bestandteil des wöchentlichen Speiseplans bei vielen Siegerländern. Sind die Doffeln oder Duffeln, wie man in der südwestfälischen Region zu sagen pflegt, doch auch die Basis für das Reibekuchenbrot, den Riewekooche, und vieles andere. In Ferndorf soll es alten Geschichten nach die „dicksten Kartoffeln“ geben. 

Schon immer ein Schlagwort für die Einheimischen ist der Begriff Riewekooche, auch wenn sie sich fern der Heimat treffen. Man personalisiert den Begriff dann sogar „Best du och e Riewekooche?“ (Bist du auch ein Reibekuchen, ein Siegerländer?). Kartoffeln spielen aber ebenso eine Rolle beim Bäckel, auch eine Art Brot, bei der Dofflnsobbe (Kartoffelsuppe) und den Bröhduffeln, Brühkartoffeln, so ähnlich wie Kartoffelsuppe. Kartoffelsuppe wie der Kartoffelsalat und die früher mit Schmalz gebackenen Reibeplätzchen, die im Siegerland wie das Brot, Reibekuchen, genannt werden, sind aber auch Bestandteil anderer Küchen. Besondere Begriffe sind zum Beispiel noch Quellmänner für Pellkartoffeln, gequallde Gestalde für Pellkartoffeln in einer Zwiebel-Specksoße und (Sejerlänner) Riewe-Klöarße, Klöße aus rohen und gekochten Kartoffeln, wozu eine Zwiebel-Specksoße gehört. Nicht zu vergessen: Riemches-Doffeln, in dicke Streifen geschnittene rohe Kartoffeln, die mit Zwiebeln und mehr gebraten werden. Geht schnell und schmeckt gut. (über buch-juwel.de kann man zugangsfrei ein kleines Magazin zu Siegerländer Gerichten und Backwerken aufrufen)

Riesenkartoffel auf der Schubkarre

Dass im Siegerland wie auch im Westerwald früher häufig Kartoffeln angebaut wurden, hat seine Gründe unter anderem in Topographie und Böden. „Anstrengend, aber schön“, sagen viele, die früher die Ernte mitgemacht oder als Kinder geholfen haben. Nach getaner Arbeit saß man gern am „Kartoffelfeuer“ zusammen, in der Glut schmorten frische Kartoffeln, die einfach wunderbar schmeckten, wenn sie endlich „durch“ waren. Auch sind noch Kartoffelfelder im Land an der Sieg zu sehen, und dem Spätsommer und Herbst zu veranstalten örtliche Vereine oder Gemeinschaften in verschiedenen Orten Kartoffelbratfeste. Da kann man Leckeres rund um die Doffel verkosten.

Zu Mentalität der Sejerlänner, Brauchtum und Heimat Siegerland gibt es schon lange Geschichten mit heiterem, lustigem Hintergrund. In früheren Büchern wie „Heiteres aus dem Siegerland“ und anderen, beispielsweise im Verlag Vorländer herausgegeben oder in Selbstverlagen, gab es so manches zum herzhaften Lachen, ob Geschichten zu Thomas Louis und in Beiträgen/ Büchern von Dr. Lothar Irle. In den kleinen Heimatbüchern des Verlags Buch-Juwel greift Autor Georg Hainer ebenfalls oft auf Begebenheiten wie „Die Vermessung der Telefon-Welt“ zurück, die zum Schmunzeln anregen. So blieb es nicht aus, dass in früheren Werken auch schon die Kartoffel Thema war.

In einer alten Geschichte, die man schon als junger Mensch gelesen hat, wenn man heimatinteressiert war, oder die man zumindest erzählt bekommen hat, ging es um die Kartoffel, um „dicke Kartoffeln“. Die sollten danach die Ferndorfer haben. Die Kartoffeln waren so groß und schwer, dass ein einziges Exemplar mit der Schubkarre oder, wie man liest, auf einem von Kühen gezogenen Wagen transportiert werden musste.. Aus solchen Geschichten hat sich der Spruch erhalten „Die Ferndorfer haa de deckste Doffeln“ (die Ferndorfer haben die dicksten Kartoffeln). Schön. In Ferndorf hat sich die Sache mit der dort genannten „degge Duffel“ erhalten. So ist laut der Webseite vom „Verein zur Pflege der Dorfgemeinschaft Ferndorf“ und Medienberichten nach zum Jubiläum „200 Jahre Westfalen“ im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte“ bis ins nächste Jahr hinein eine von der Dorfgemeinschaft gelieferte und eigens dafür hergestellte (also nicht gewachsene) Ferndorfer Riesen-Kartoffel zu sehen sein. Gespannt sein darf man schon auf die Duffel im Jahre 2017. Dann feiert der Ort, der zu Kreuztal gehört, sein 950-Jähriges. Da werden sich die „Züchter“ wohl noch einiges einfallen lassen: rührige Dorfgemeinschaft und Vereine, pfiffige Ideen!

Geschichten und mehr zum Siegerland in Magazinen zum Blättern und Blogs können Sie – zugangsfrei – über http://www.buch-juwel.de aufrufen und lesen. Sie finden dort auch Hinweise auf Heimatbücher des Verlags und Poster.

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Im Magazin: Siegerländer Küche

Bildtext: Typisch: Siegerländer Klöße mit Speck-Zwiebelsoße. (Foto: presseweller)

März 2015. (Dialog/prw). Was gibt es für typische Backwerke und traditionelle Gerichte im Siegerland? Der Reibekuchen, Riewekooche, gehört ebenso dazu wie das Siegerländer Krüstchen. Im Magazin „Seejerlänner Gerechde“ (Siegerländer Gerichte) des Verlages Buch-Juwel sind einige zusammengetragen.

Mit dem sechsseitigen bebilderten Magazin „Seejerlänner Gerechde“ nimmt sich der Siegener Verlag einmal mehr einem Heimatthema an. Traditionelle Backwaren und Gerichte sind in ihrer Mundart-Bezeichnung zusammengestellt und auf Hochdeutsch erklärt. „Wir erheben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einiges wird es auch anderswo in gleicher oder ähnlicher Form geben und kann auch je Örtlichkeit im Siegerland anders bezeichnet oder zusammengestellt werden,“ heißt es seitens des Verlages. „Es soll einfach ein Überblick sein!“ So findet sich bei den Backwaren der Klassiker, der „Riewekooche“, ein Reibekuchenbrot. „Riewekooche“ ist schon immer ein Siegerländer Schlagwort. Altbekannt ist auch der Bäckel, ebenfalls ein Brot, das auf Kartoffeln basiert, die im Siegerland Duffeln oder Doffeln genannt werden. Bei den Gerichten dürfen die „Gequallde Gestalde“ nicht fehlen, Pellkartoffelscheiben oder -stücke in einer Zwiebel-Specksoße. Quasi ein Höhepunkt für den Gaumen sind die „Seejerlänner Rieweklöarße“, Reibeklöse, ebenfalls mit Speck- und Zwiebelsoße.

Vieles passt ernährungsmäßig
„Es ist interessant“, sagt der Autor, „dass bei den traditionellen Zubereitungen vieles auch hinsichtlich der Nährstoffe und Vitamine passend war.“ So findet sich oft auch bei einfachen Gerichten ein Zusammenspiel von Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind Bratheringe (Broathering) mit gequallden Gestalden (siehe oben) und Rote-Bete-Salat.

Frei aufrufbar
Das Magazin „Seejerlänner Gerechde“ ist auf http://www.buch-juwel.de frei zum Anschauen aufrufbar. Relativ aktuell ist in der Mundartreihe auch die Zusammenstellung „Sejerlänner Schempfwörrer“, Siegerländer Schimpfwörter. (presseweller)