Archiv der Kategorie: Siegerland

Siegerland und Kuchen: Kringel

414osterkring6
Schmeckt lecker: Kringel. (Alle Fotos (c): presseweller)

 

Dr Krenge oder Krengel schmeckt – Es gibt aber noch mehr leckere Kuchen

Siegen. Januar 2016 (buch-juwel). Zum Genießen gehörte im Siegerland früher und oft auch heute noch der „Krenge“ oder „Krengel“, also der Kringel. Ein köstliches Hefegebäck mit süßer und/ oder würziger Innenbeschichtung. Das Wort Kringel rührt daher, dass es in der Regel zwei zueinander gebogene „Stangen“ sind, die aufs Backblech kommen und nach allem würzigem Duft später fertig gebacken auf dem Blech liegen. Köstlich.

Für den Kringel wird ein Hefeteig hergestellt. Daraus werden  zwei dicke Stangen geformt. Das hat den Vorteil, dass man den Inhalt variieren kann. So gab es oft zum Beispiel in einem Teil eine Marmeladenbeschichtung, in dem anderen würzigen Zimt. Oft sind auch Rosinen dabei. Da im Marmeladenteil an den zipfelartigen Enden meist etwas der süßen Streichfüllung austritt, wurden die Endstücke gerne gegessen. Da griff man am besten schnell zu. Die Zahl der Endstücke ist schließlich sehr eng begrenzt.

414osterkring1

Leicht gebogen, eine Kringel-„Stange“.

Man erhält diesen Kuchen heute noch in so manchen Siegerländer Bäckereien. Zum Teil wird er überpudert, dann sieht er leicht gräulich aus, wie es bei uns zu Hause der Fall war. Heute hat der gekaufte Kuchen meist eine glatte, leicht glänzende braune Oberfläche, mal heller, mal dunkler.

Manche bestreichen ihre Kringelscheiben direkt mit Butter. Das ist auch ein guter Tipp, wenn der Kringel ein paar Tage alt ist: Mit Butter schmeckt er ebenfalls einfach nur köstlich.

Ähnlich auch anderswo

Diese Art von Backwerk gibt es ähnlich in anderen Ländern. In Kärnten/ Österreich hat man den Reindling. Er wird dort auch, gerne zu Ostern, mit Schinkenspeck und Ähnlichem sowie Kren, Meerrettich, gegessen. Wer es schon probiert hat: Diese Kombination kitzelt im wahrsten Sinne des Wortes den Gaumen, schmeckt ausgesprochen lecker. Ein Stückchen weiter jenseits der Grenze, in Slowenien, gibt es traditionell ebenfalls einen ähnlichen Kuchen wie den Potica, hier mit Nussmassenfüllung. Genuss kennt keine Grenzen.

211boden

Boden, außer mit den eigen geernteten Stachelbeeren hier schon mit Dosenfrüchten, gab es früher und gibt es heute. Fruchtig.

Streusel, Boden und Co.

Das muss man mal sagen: Früher gab es viel öfter Steuselkuchen als heute. Der ist nun nicht aufs Siegerland beschränkt. Ein frischer Streuselkuchen hat schon was! Ebenso wie der Boden, der ganz früher aber nicht mit Dosenfrüchten belegt war, sondern mit dem, was der Garten hergab, zum Beispiel Erdbeeren, Stachelbeeren oder Kirschen. Je nach Saison waren natürlich die klassischen Apfel- und Pflaumenkuchen, im Siegerland „Quetschekooche“, mit Hefeteig ein Renner. Als Kinder griffen wir immer mehr als beherzt zu. Ja, Schlagsahne gab es meist auch dazu. Klar, dass es auch andere klassische Kuchen gab, wobei der „marmorierte“ Rührkuchen mit Kakaoeffekt und der mit Schokoguss für Leckermäuler noch einmal besonders erwähnt seien.

Es hat sich aber etwas geändert: Zur Kindheit gab es fast jeden Sonntag irgendeinen der leckeren Kuchen. Und noch mehr davon, wenn Besuch kam. Das war früher so. Schön. (jw)

Rezept-Hinweis zum Kringel, wie er hier gemacht wird:

Für den Hefeteig 500 g Mehl, 30 g Hefe, Milch, ca. 80 g Zucker, 1 Pr. Salz, rund 100 g Margarine und 1 Ei.

Teig ausrollen und mit flüssiger Butter oder mit Marmelade bestreichen, ca. 65 g Zucker drüber und etwas Zimt bzw. nach eigenem Geschmack, evtl. Rosinen oder auch Nüsse. Alles rollen und zu einer oder zu 2 Stangen formen und backen.

Tipp: Themen rund ums Siegerland – von früher und aktuell – finden Sie auch immer auf http://www.buch-juwel.de

Advertisements

Dicke Kartoffeln im Siegerland

In Ferndorf:  „degge Duffeln“ em Sejerland / Reibekuchen und Geschichten

Von Jürgen Weller

August 2015. Kartoffeln waren und sind teils noch fester Bestandteil des wöchentlichen Speiseplans bei vielen Siegerländern. Sind die Doffeln oder Duffeln, wie man in der südwestfälischen Region zu sagen pflegt, doch auch die Basis für das Reibekuchenbrot, den Riewekooche, und vieles andere. In Ferndorf soll es alten Geschichten nach die „dicksten Kartoffeln“ geben. 

Schon immer ein Schlagwort für die Einheimischen ist der Begriff Riewekooche, auch wenn sie sich fern der Heimat treffen. Man personalisiert den Begriff dann sogar „Best du och e Riewekooche?“ (Bist du auch ein Reibekuchen, ein Siegerländer?). Kartoffeln spielen aber ebenso eine Rolle beim Bäckel, auch eine Art Brot, bei der Dofflnsobbe (Kartoffelsuppe) und den Bröhduffeln, Brühkartoffeln, so ähnlich wie Kartoffelsuppe. Kartoffelsuppe wie der Kartoffelsalat und die früher mit Schmalz gebackenen Reibeplätzchen, die im Siegerland wie das Brot, Reibekuchen, genannt werden, sind aber auch Bestandteil anderer Küchen. Besondere Begriffe sind zum Beispiel noch Quellmänner für Pellkartoffeln, gequallde Gestalde für Pellkartoffeln in einer Zwiebel-Specksoße und (Sejerlänner) Riewe-Klöarße, Klöße aus rohen und gekochten Kartoffeln, wozu eine Zwiebel-Specksoße gehört. Nicht zu vergessen: Riemches-Doffeln, in dicke Streifen geschnittene rohe Kartoffeln, die mit Zwiebeln und mehr gebraten werden. Geht schnell und schmeckt gut. (über buch-juwel.de kann man zugangsfrei ein kleines Magazin zu Siegerländer Gerichten und Backwerken aufrufen)

Riesenkartoffel auf der Schubkarre

Dass im Siegerland wie auch im Westerwald früher häufig Kartoffeln angebaut wurden, hat seine Gründe unter anderem in Topographie und Böden. „Anstrengend, aber schön“, sagen viele, die früher die Ernte mitgemacht oder als Kinder geholfen haben. Nach getaner Arbeit saß man gern am „Kartoffelfeuer“ zusammen, in der Glut schmorten frische Kartoffeln, die einfach wunderbar schmeckten, wenn sie endlich „durch“ waren. Auch sind noch Kartoffelfelder im Land an der Sieg zu sehen, und dem Spätsommer und Herbst zu veranstalten örtliche Vereine oder Gemeinschaften in verschiedenen Orten Kartoffelbratfeste. Da kann man Leckeres rund um die Doffel verkosten.

Zu Mentalität der Sejerlänner, Brauchtum und Heimat Siegerland gibt es schon lange Geschichten mit heiterem, lustigem Hintergrund. In früheren Büchern wie „Heiteres aus dem Siegerland“ und anderen, beispielsweise im Verlag Vorländer herausgegeben oder in Selbstverlagen, gab es so manches zum herzhaften Lachen, ob Geschichten zu Thomas Louis und in Beiträgen/ Büchern von Dr. Lothar Irle. In den kleinen Heimatbüchern des Verlags Buch-Juwel greift Autor Georg Hainer ebenfalls oft auf Begebenheiten wie „Die Vermessung der Telefon-Welt“ zurück, die zum Schmunzeln anregen. So blieb es nicht aus, dass in früheren Werken auch schon die Kartoffel Thema war.

In einer alten Geschichte, die man schon als junger Mensch gelesen hat, wenn man heimatinteressiert war, oder die man zumindest erzählt bekommen hat, ging es um die Kartoffel, um „dicke Kartoffeln“. Die sollten danach die Ferndorfer haben. Die Kartoffeln waren so groß und schwer, dass ein einziges Exemplar mit der Schubkarre oder, wie man liest, auf einem von Kühen gezogenen Wagen transportiert werden musste.. Aus solchen Geschichten hat sich der Spruch erhalten „Die Ferndorfer haa de deckste Doffeln“ (die Ferndorfer haben die dicksten Kartoffeln). Schön. In Ferndorf hat sich die Sache mit der dort genannten „degge Duffel“ erhalten. So ist laut der Webseite vom „Verein zur Pflege der Dorfgemeinschaft Ferndorf“ und Medienberichten nach zum Jubiläum „200 Jahre Westfalen“ im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte“ bis ins nächste Jahr hinein eine von der Dorfgemeinschaft gelieferte und eigens dafür hergestellte (also nicht gewachsene) Ferndorfer Riesen-Kartoffel zu sehen sein. Gespannt sein darf man schon auf die Duffel im Jahre 2017. Dann feiert der Ort, der zu Kreuztal gehört, sein 950-Jähriges. Da werden sich die „Züchter“ wohl noch einiges einfallen lassen: rührige Dorfgemeinschaft und Vereine, pfiffige Ideen!

Geschichten und mehr zum Siegerland in Magazinen zum Blättern und Blogs können Sie – zugangsfrei – über http://www.buch-juwel.de aufrufen und lesen. Sie finden dort auch Hinweise auf Heimatbücher des Verlags und Poster.

Im Magazin: Siegerländer Küche

Bildtext: Typisch: Siegerländer Klöße mit Speck-Zwiebelsoße. (Foto: presseweller)

März 2015. (Dialog/prw). Was gibt es für typische Backwerke und traditionelle Gerichte im Siegerland? Der Reibekuchen, Riewekooche, gehört ebenso dazu wie das Siegerländer Krüstchen. Im Magazin „Seejerlänner Gerechde“ (Siegerländer Gerichte) des Verlages Buch-Juwel sind einige zusammengetragen.

Mit dem sechsseitigen bebilderten Magazin „Seejerlänner Gerechde“ nimmt sich der Siegener Verlag einmal mehr einem Heimatthema an. Traditionelle Backwaren und Gerichte sind in ihrer Mundart-Bezeichnung zusammengestellt und auf Hochdeutsch erklärt. „Wir erheben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einiges wird es auch anderswo in gleicher oder ähnlicher Form geben und kann auch je Örtlichkeit im Siegerland anders bezeichnet oder zusammengestellt werden,“ heißt es seitens des Verlages. „Es soll einfach ein Überblick sein!“ So findet sich bei den Backwaren der Klassiker, der „Riewekooche“, ein Reibekuchenbrot. „Riewekooche“ ist schon immer ein Siegerländer Schlagwort. Altbekannt ist auch der Bäckel, ebenfalls ein Brot, das auf Kartoffeln basiert, die im Siegerland Duffeln oder Doffeln genannt werden. Bei den Gerichten dürfen die „Gequallde Gestalde“ nicht fehlen, Pellkartoffelscheiben oder -stücke in einer Zwiebel-Specksoße. Quasi ein Höhepunkt für den Gaumen sind die „Seejerlänner Rieweklöarße“, Reibeklöse, ebenfalls mit Speck- und Zwiebelsoße.

Vieles passt ernährungsmäßig
„Es ist interessant“, sagt der Autor, „dass bei den traditionellen Zubereitungen vieles auch hinsichtlich der Nährstoffe und Vitamine passend war.“ So findet sich oft auch bei einfachen Gerichten ein Zusammenspiel von Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind Bratheringe (Broathering) mit gequallden Gestalden (siehe oben) und Rote-Bete-Salat.

Frei aufrufbar
Das Magazin „Seejerlänner Gerechde“ ist auf http://www.buch-juwel.de frei zum Anschauen aufrufbar. Relativ aktuell ist in der Mundartreihe auch die Zusammenstellung „Sejerlänner Schempfwörrer“, Siegerländer Schimpfwörter. (presseweller)

Siegerland: Naturpark Sauerland-Rothaargebirge?

Ein Allgemein-Name wäre eher angebracht

Kommentar

30. Januar 2015 (jw). Wie nun verlautete, soll es demnächst den „Naturpark Sauerland – Rothaargebirge“ geben. Obwohl insgesamt löblich, wirft aber nach wie vor die Namensgebung Fragen auf. Einen Kurzkommentar von hier gab es bereits vor einiger Zeit, direkt nach Erscheinen der Vorstellungen dazu. Mit dem Rothaargebirge lassen sich nun einmal das Siegerland und Wittgenstein leicht verknüpfen, entspringen doch auf dem Kamm die Sieg, die Lahn und Eder.  Daher wäre an einer  neutralen Bezeichnung zu überlegen.  

Anstoß zu diesem Artikel gab der gestern gelesene  Bericht zum „Naturpark Sauerland-Rothaargebirge“ im Internet auf „derwesten.de“. Das Sauerland hat zwar durch seine durchaus guten Wintersportlagen einen gewissen Bekanntheitsgrad, die Alleinbezeichnung würde aber nicht den Kern treffen.  Als Siegerländer fragt man sich, fernab eventueller Kirchturmdenken-Einwürfe,  warum der Name „Naturpark Sauerland-Rothaargebirge“,  gewählt werden sollte. Will man die Bezeichnung nicht ellenlang wie „Naturpark Rothaargebirge – Sauerland, Siegerland, Wittgenstein“ machen, käme eher eine neutrale Bezeichnung richtig, wobei „Naturpark Rothaargebirge“ am treffendsten und aussagekräftig wäre. Das würde allen verbundenen Regionen gerecht und ließe sich auch werbetechnisch leicht umsetzen.

Im Siegerland: Kapellenschulen

0114eisernkapsch-a

Ehemalige Kapellenschule in Eisern bei Siegen.  (Foto: Buch-Juwel)

Auf dem neuen Poster sind 20 heutige Ansichten zu sehen

Januar 2014. Siegen (Dialog/prw). Im Siegerland waren Kapellenschulen einst weit verbreitet. Die Ursprünge gehen bis auf Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Heute stehen noch viele der ehemaligen Gebäude, saniert und renoviert sowie mit anderer, meist heimatbezogener Zweckbestimmung. Der Siegener Verlag Buch-Juwel hat 20 aktuelle Gebäudeansichten ehemaliger Kapellenschulen auf einem DIN-A2-Poster vereint.

Aus der Bezeichnung „Kapellenschule“ kann man den ehemaligen Zweck der Gebäude herleiten: Sie dienten als Kirche oder Kapelle für den Gottesdienst und zusätzlich als Schule. Das hatte den Vorteil, dass die Kinder des Ortes nicht weite Wege gehen mussten, was besonders im Winter beschwerlich war, da man ja zu Fuß unterwegs sein musste. Bei Buch-Juwel reifte daher der Entschluss, die Gebäude, wenn auch in heutigen Ansichten, auf einem vierfarbigen DIN-A2-Poster zusammenzutragen. Es wurde im Dezember 2014 fertiggestellt.

Auf dem Bilderbogen „20 Siegerländer Kapellenschulen“ reicht die Palette von Plittershagen bei Freudenberg über Trupbach bei Siegen bis zu Wiederstein bei Neunkirchen und von Littfeld bei Kreuztal über Sohlbach bei Geisweid und Siegen bis zu Lützeln bei Burbach. Typisch sind die Türmchen auf den Gebäuden.

Der Siegener Verlag Buch-Juwel greift immer wieder in verschiedenen Formen Traditionelles und Aktuelles aus dem Siegerland auf. Weitere Themen, als Magazine, Beiträge, Büchlein, Videosequenzen und Poster sind in Arbeit.

Zum Kapellenschulen-Poster kann man sich ein Muster anschauen und erfährt auch Bezugsquellen, direkt über die Titelseite von http://www.buch-juwel.de abrufbar.

 

Backes und mehr im Siegerland

Die Region hat viel Interessantes zu bieten / Jung Stilling und Grund

August 2014. Siegen (dialog/jw). Mag das Siegerland  auch manchen nicht so sehr bekannt sein, so gibt es dennoch viel Interessantes, schöne Landschaften und eine reiche Geschichte. Der sehr waldreiche Landstrich im südlichen Westfalen lädt nicht nur zum Wandern ein, sondern hat auch kultur- und wirtschaftsgeschichtlich einiges zu bieten. Das lässt sich teils vor Ort und sonst in Heimatmuseen nacherleben. Neben der Gruben-, Hütten- und Hammerwerkgeschichte sind es im ländlichen Bereich gerade die Backhäuser und Kapellenschulen, die Aufmerksamkeit verdienen.

Im alten „Eisenland an der Sieg“ wurde früher, teils bis in die 50er-Jahre, das gemeinsame Backen gepflegt. In den meisten Orten heißt das Backhaus „Backes“, wie auch in manchen anderen Regionen Deutschlands. In vielen Dörfern haben Heimatfreunde bzw. – vereine diese Tradition wieder belebt. Sie haben Backhäuser restauriert oder ganz neu aufgebaut und halten zu verschiedenen Terminen Backtage mit Brotverkauf ab. Das reicht vom Freudenberger Raum über das Netpherland bis in den Hickengrund.

Früher wurden „Schanzen“ zum Anheizen des Ofens genutzt. Schanzen sind Reisigbündel aus kleinen Ästen von Eichen, Buchen, Birken, die in den Haubergen, dieser ebenfalls für das Siegerland typischen Niederwaldbewirtschaftung, anfielen. Hier und da wird heute noch so verfahren. Zum Thema Hauberg kann man auf den Seiten von buch-juwel.de eine Zusammenfassung aufrufen. Beim traditionellen Brot, das einen hohen Roggenanteil hatte, spricht man daher noch heute vom „Schanzenbrot“. Zu den Backtagen in den Gemeinschaftshäusern gab es für den Backtag oft eine Verlosung der Backzeiten. Das machte Sinn. So war es stets unterschiedlich, wer zuerst kommen und Feuer machen musste. Neben Brot wurde auch so genannter „Blechkuchen“, zum Beispiel Streuselkuchen, mit der Nachhitze gebacken.

Schule und Gottesdienst

Schon früh bildeten sich Gebäude heraus, die der Gemeinde als dörfliche Kirche oder Kapelle dienten und schließlich auch zum Schulunterricht genutzt wurden, die so genannten Kapellenschulen. In vielen Gemeinden wurde für den Nachwuchs die „Sonntagsschule“ zur Bibel- und Religionsvermittlung ebenfalls  hier abgehalten. Das war eine praktische und wirtschaftliche Kombination, weil man so nicht in zwei Gebäude investieren musste. Man erkennt diese Schulen meist direkt an dem kleinen Glockentürmchen auf dem Dach.

Zu unserer Zeit in den 1950ern boten die „Volksschulen“ die Möglichkeit, bis zur achten Klasse und zum Abschluss „vor Ort“ zu bleiben. Dem heutigen Bildungssystem nach geht es nach der Grundschule in der Hauptschule bis zur 10. Klasse – abgesehen von den Möglichkeiten, Realschule, Gymnasium zu besuchen oder eine der verschiedenen neuen Schulformen zu nutzen.   Ob als Basis das „Hauptschul-“ besser ist als das frühere „Volksschulsystem“, ist eine ganz andere Frage. Unserer Auffassung nach ist es überhaupt gut, wenn es im engen örtlichen Nahbereich eine Grundschule gibt.

Schöne Kapellenschulen-Gebäude

In vielen Dörfern haben sich die Kapellenschulen, oft fein renoviert, erhalten, vom Hilchenbacher über den Freudenberger Raum bis ins Burbacher Gebiet. Oft werden diese Gebäude – meist, aber nicht immer in Fachwerkbauweise – als Heimatstuben oder Museen genutzt. Wer auf Urlaub im Siegerland ist, sollte mal schauen, zum Beispiel in Grund (heute zu Hilchenbach gehörig), dem Dorf, in dem der wegen seiner schon frühen Staroperationen bekannte Augenarzt, Literat und und … Jung-Stilling geboren ist. Das wiesenumgebene Dorf mit seinen vielen Fachwerkhäusern und den ringsum gleich ansteigenden bewaldeten Höhen wäre schon einfach so ein Urlaubsidyll. Aber mittendrin stehen auch die Kapellenschule und das Geburtshaus von Jung-Stilling. Bei Interesse ist es zu empfehlen, sich einmal diese und andere Kapellenschulen anzuschauen und auch die Backhäuser, vielleicht in Verbindung mit einem der Backtage und dabei, sofern angeboten, ein knuspriges Backesbrot mit Butter, Griebenschmalz oder Hausmacher Wurst probieren – das alles passt gut und ist einfach köstlich.

Beim Verlag Buch-Juwel laufen zurzeit neue Projekte mit spezieller Thematik. Einfach hin und wieder mal auf http://www.buch-juwel.de schauen, was sich tut. Ohnehin gibt es dort noch mehr rund ums Siegerland. Zum Anschauen alles ohne Anmeldung und kostenfrei!

Vom Erz zum Eisen: Siegerland in vielen Facetten

Juli 2014. Siegen (Dialog). Das Siegerland hat viele Facetten und eine reiche Geschichte. Bauten hier doch schon vor rund 2.500 Jahren die Kelten das Erz ab und gewannen ihm das begehrte Material Eisen ab. Im Land an der Sieg entstanden später Bergwerke, Hütten und Hammerschmieden, und dazu gab es die Hauberge, die Holz lieferten. Der Siegerländer Autor Georg Hainer, hat das eine und andere „Siegerländische“ in Heimatbüchern, aber auch auf der Internetseite buch-juwel.de beschrieben.

Die Bergwerke, die Gruben, haben die Zeiten nicht überlebt. Es existieren aber noch einige wenige „Museums-Bergwerke“. So können sich Interessierte zum Beispiel in Salchendorf bei Neunkirchen, in Eiserfeld, „Reinhold-Forster-Erbstollen“, und in Museen wie in Müsen, auf der Eremitage und im Siegerlandmuseum in Siegen, wo ein Schaustollen „unter Tage“ angelegt ist, einen kleinen Eindruck verschaffen. Leider hat man es im Siegerland weitgehend versäumt, die oberirdischen Grubengebäude, vom Förderturm bis zur Waschkaue, wie auf der „Ameise“ in Siegen oder am „Pfannenberg“ als eine Art Industriekultur wenigstens an markanten Orten zu erhalten. Schade drum. Weil früher Siegerländer Eisenerz und Eisen ein begehrtes Gut war und es mit die tiefsten Gruben gab. Schön ist zumindest, das sich zum Beispiel in Niederschelden eine Bergknappenkapelle erhalten hat, die gerade ein Jubiläum gefeiert hat. Und dann klingt es auch schon in den Ohren „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt …“.

Der Siegerländer Vergangenheit hat sich schon lange der Schriftsteller Georg Hainer angenommen. In den von ihm geschriebenen Büchlein geht es in Geschichten und Gedichten um die verschiedensten Traditionen und Eigenheiten im Siegerland, veröffentlicht im Verlag Buch-Juwel. So fand auch das Büchlein „Wo Eisen in den Bergen liegt“ besonderen Zuspruch. Zur Bergmanns- und Hüttentradition wurde gerade auch ein neues bebildertes Gedicht verfasst.

Traditionelles und Neuheiten

Findet sich auf den Verlagsseiten www.buch-juwel.de so manches Traditionelle, vom Hauberg, der besonderen Art der Niederwaldbewirtschaftung, bis zu typischen Speisen der Region, so ist doch ständig Neues in Arbeit. Neben den verschiedenen Bilderbogen und Postern zur Region, steht etwas Typisches zum Siegerland mit vielen Bildern kurz vor der Fertigstellung. Außerdem soll die Mundart-Reihe in besonderer Form ergänzt werden. „Wahrscheinlich wird beides zum Herbst hin spruchreif sein“, heißt es dazu von Verlagsseite.

Kurz vor Fertigstellung steht auch die neue Trilogie „Siegerland aus alten Zeiten“, die nach dem Ersten Weltkrieg beginnt, in die 20er- und 30-Jahre, dann in die 1940er und schließlich bis Anfang der 1950er führt: Nicht wissenschaftlich mit einer Aneinanderreihung von Daten und Fakten, sondern anhand von Aussagen und Erzählen von Zeitzeugen zusammengestellt sowie mit Bildern und Dokumenten aus dem Alltag unterlegt.

Das neue Gedicht von Georg Hainer „Vom Erz zum Eisen“ ist aber schon jetzt über buch-juwel.de, gleich auf der Titelseite, abrufbar.

Über die Webseiten www.buch-juwel.de findet man mehr zu Siegerländischem. Über diese Seite gibt es auch Anfragemöglichkeiten. Alle Heimatbücher sind ausverkauft. Vom Buch „Em Siegerland“ aus 2013 stehen aus der Nachauflage noch Restexemplare zur Verfügung.